Das Construction Future Lab hat sich zusammen mit einem starken Konsortium auf die Ausschreibung des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung zum Thema „Simple BIM: Standardanwendungsfälle für den Wohnungsneubau – 10.08.17.7-25.04“ bewerben können.
Die Ziele der Bundesregierung sind es, dass die Bauwirtschaft ganzheitlich im ‚big-open BIM‘ arbeitet, um die Mehrwerte wie die Kostentransparenz, Effizienz und Termintreue von Bauvorhaben weiter auszubauen sowie die Interessen kleiner und mittelständischer Unternehmen zu wahren. Hinzu kommt der sich verstärkende Fachkräftemangel einerseits, sowie die ambitionierten Infrastruktur- und Hochbaupläne der Bundesregierung andererseits, welche die Notwendigkeit der Optimierung von Planungs- und Bauprozessen verdeutlichen.
Während die BIM-Methode aufgrund der Effizienzgewinne bei großen Hochbauprojekten bereits regelmäßig Anwendung findet, kann bei kleineren Bauvorhaben oftmals nur von einer digitalen Planung die Rede sein. Gerade bei kleineren Bauvorhaben wie Ein-, Zwei- oder kleinen Mehrfamilienhäusern fehlt aufgrund des Fachkräftemangels sowie der knappen Budgets oft die Möglichkeit, umfangreich die Planungsmethoden und Prozesse zu hinterfragen und erneuern.
Es müssen zum einen Auftraggebende durch Standards und Vorlagen in die Lage versetzt werden, Leistungen sowie deren Umfänge gezielt, jedoch mit begrenztem Einsatz von Zeit- und Ressourcen niederschwellig auszuschreiben. Zum anderen müssen Auftragnehmende wie Planungs-, Generalübernehmer- oder Baubüros dabei unterstützt werden, den Übergang von konventionellen zu BIM-basierten Planungs- und Arbeitsprozessen wirtschaftlich tragfähig und technisch fundiert zu gestalten.

Veranschaulichung Simple BIM ©CFLab
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, den Einstieg in die digitale Arbeitsweise unter Anwendung der BIM-Methode für Planungs- und Baubüros sowie auch für Bauherrinnen und Bauherren zu erleichtern und die Nutzung der BIM-Methode in der Breite des Wohnungsneubaus, insbesondere bei Planungs- und Baukosten unter
5 Mio. Euro zu fördern.
Zu diesem Zweck werden leicht verständliche Handlungsempfehlungen, Vorlagen, Anwendungsfallsteckbriefe, Mustergebäude sowie weitere Dateien in Form eines modularen Baukastens speziell für Wohnungsneubauprojekte unter 5 Mio. Euro entwickelt, die ein unmittelbares Erproben und Übertragen auf reale Vorhaben ermöglichen. Die Empfehlungen und Vorlagen werden ausschließlich Umfänge beinhalten, die wirtschaftlich sinnvoll für die Unternehmen sind, daher die Planung und den Bau effizienter gestalten.
Begleitend dazu wird eine Einführungsstrategie erarbeitet, die Empfehlungen zur schrittweisen Einführung sowie Hinweise zu geeigneten Förder- und Forderinstrumenten enthält. Die Ergebnisse werden so aufbereitet, dass eine Veröffentlichung und praxisgerechte Bereitstellung über BIM Deutschland und das BIM-Portal gewährleistet ist.
Welche Vorbehalte, Hindernisse und Erwartungen bestehen derzeit in mittleren und kleinen Planungs- und Baubüros im Hinblick auf die Transformation von konventionellen Planungsprozessen hin zu einer BIM-basierten Planung (Building Information Modeling)?
Welcher Bedarf besteht auf Seiten der Auftraggebenden an der Planung von Wohnungsneubauvorhaben unter 5 Mio. Euro?
Welche Anforderungen resultieren durch den Bedarf der Auftraggebenden an die Planungsergebnisse, insbesondere hinsichtlich der Umfänge der AwF (Anwendungsfälle), LOG (Detaillierungsgrad der Geometrie), LOI (Informationsdetaillierungsgrad)?
Welche Anwendungsfälle und Leistungsumfänge sollten regelmäßig bei Wohnungsneubauprojekten unter 5 Mio. Euro beauftragt werden, da sie sowohl bei Auftraggebenden, als auch Auftragnehmenden zu Effizienzgewinnen führen und daher wirtschaftlich sinnvoll sind?
Welche organisatorischen, prozessualen und technischen Maßnahmen sollten mittlere und kleinere Planungs- und Baubüros schrittweise umsetzen, damit der Wandel von der konventionellen, hin zur BIM-basierten Planung wirtschaftlich verträglich sowie technisch fundiert gelingt?
Welche Maßnahmen kann die Bundesregierung ergreifen, um eine effizientere Planung von Wohnungsneubauvorhaben mit einem Bauvolumen von unter 5 Mio. Euro gezielt zu fördern?
Die Methodik folgt einem Mixed-Methods-Ansatz aus Fallstudien, qualitativen Expertinnen- und Experteninterviews, systematischen Literaturrecherchen sowie Dokumentenanalysen. Zunächst werden Kriterien zur Auswahl und Kategorisierung von Wohnungsneubauprojekten unter 5 Mio. Euro (Kostengruppe 300 bis 700) entwickelt, geeignete Projektbeispiele identifiziert und hinsichtlich Projektstrukturen, Rollen sowie Prozessabläufen analysiert. Anschließend werden exemplarische Wohnungsneubauprojekte unter 5 Mio. Euro interdisziplinär modellbasiert nach der BIM-Methode geplant. Ergänzend wird ein Planungs- und Bauunternehmen, welches die BIM-Methode bisher noch nicht einsetzt, wissenschaftlich einbezogen und begleitet, um Hemmnisse, Bedenken und den Status quo der Zielgruppe empirisch zu erfassen.
Auf Basis der Projektbeispiele werden geeignete BIM-AwF identifiziert und konkretisiert. Interviews und Dokumentenanalysen dienen dazu, Bedarfe der Auftraggebenden und Planenden, individuelle BIM-Ziele sowie wirtschaftlich sinnvolle Leistungsumfänge unter Berücksichtigung der planerischen Aufwände belastbar zu bestimmen. Die ausgewählten AwF werden unter Einbezug aktueller politischer und umweltpolitischer Zielsetzungen in Steckbriefen, Attributlisten und technischen Spezifikationen, insbesondere LOIN (Level of Information Need) und IDS (Information Delivery Specification), praxistauglich aufbereitet.
In Workshops werden die AwF anhand einheitlicher Bewertungskriterien den Kategorien „Basis“, „Bedarf“ und „zukunftsrelevant“ zugeordnet. Für Basis-AwF werden Informationslieferhandbücher nach DIN EN ISO 29481 erstellt. Dazu werden bestehende IDM-Ansätze (Information Delivery Manual) ausgewertet, Prozesse und Informationsflüsse in BPMN (Business Process Model and Notation) modelliert und daraus Informationslieferpunkte sowie Austauschanforderungen abgeleitet.
Erarbeitete Vorlagen, Hilfestellungen und Dateien werden als modularer Baukasten für Erprobung, Lernen und direkte Anwendung bereitgestellt. Zur anwendungsfreundlichen Nutzung der technischen Lösungen werden erläuternde Begleitmaterialien und Anwendungsempfehlungen formuliert. Technische umgesetzt wird der modulare Baukasten mitsamt Dokumenten in einer prototypischen, interaktiven Webanwendung. Als modular aufgebaute Umsetzungshilfe verfolgt sie das Ziel, Anwenderinnen und Anwendern einen niedrigschwelligen, verständlichen und praxisorientierten Einstieg in das Arbeiten nach DIN EN ISO 19650 zu ermöglichen.
Für Unternehmen werden Handlungsempfehlungen für eine schrittweise Einführung BIM-basierter Arbeitsweisen gemäß DIN EN ISO 19650 erarbeitet. Für öffentliche Entscheidungsträger werden ebenfalls Handlungsempfehlungen abgeleitet, um eine effizientere Planung von Wohnungsneubauvorhaben unter 5 Mio. Euro gezielt zu fördern. Die Markteinführung des modularen Baukastens soll primär über BIM Deutschland und das BIM-Portal des Bundes erfolgen. Flankierend werden mindestens vier Online-Veranstaltungen durchgeführt, aufgezeichnet und digital bereitgestellt, um Auftraggebenden, und Auftragnehmenden sowie BIM-Interessierten die schrittweise Anwendung der bereitgestellten Inhalte zu vermitteln und Rückfragen zu adressieren.
Das Projekt gliedert sich in mehrere aufeinander aufbauenden Phasen:
Lisa Schlund M. Sc.
Telefon: +49 157 80505101
E-Mail: lisa.schlund@cflab.de

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