Interview

Die richtige Infrastruktur für die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten beschaffen

Die Rolle von Johannes Stockbauer im CFLab

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Johannes Stockbauer

Applikationsingenieur 

Johannes Stockbauer über strukturierte Beschaffung zwischen Vergaberecht und Anforderungen moderner Maschinen

Wenn aus einer geförderten Vision ein realer Ort für Zukunftstechnologien werden soll, entscheidet sich erstaunlich viel nicht im Labor – sondern in der Beschaffung. Denn bevor die digitale Laborbaustelle, der Transition Space, die Baurobotik oder der 3D-Betondruck in Görlitz erforscht und demonstriert werden können, müssen Dienstleistungen, Infrastruktur, Maschinen und Ausstattungen nicht nur verfügbar sein, sondern auch vergaberechtskonform begründet und lückenlos dokumentiert beschafft werden.

In diesem Interview erklärt Johannes Stockbauer, wie er genau dieses Spannungsfeld moderiert: Bürokratie so beherrschbar machen, dass Innovation nicht ausgebremst wird – und gleichzeitig Anforderungen der Fachteams so zu übersetzen, dass am Ende wirklich das Richtige am Standort ankommt.

Stell dich doch mal kurz vor.

Johannes Stockbauer: Ich habe Maschinenbau und Technologiemanagement an der TH Deggendorf studiert und arbeite seit 2021 als Projektingenieur bei Smart Systems Technology. Dort liegt mein Schwerpunkt auf der normkonformen Auslegung von Bau-, Spezialtiefbau- und Sondermaschinen. Seit 2023 bin ich zudem als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Construction Future Lab (CFLab) tätig und promoviere zugleich an der Professur für Baumaschinen im Bereich der Evaluierung innovativer Baumaschinensysteme.

Während meiner Zeit am CFLab konnte ich mich insbesondere auf die Initiierung und Bearbeitung von Beschaffungs- und Vergabeverfahren spezialisieren. Dabei habe ich vor allem meine Erfahrung in der Gestaltung und Bewertung verschiedener Maschinen sowie von Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen erfolgreich einbringen können. Durch die strukturierte Abwicklung von Beschaffungsprozessen lege ich somit die Grundlage dafür, dass vielversprechende Produktlösungen aus der Forschung schnell und zielgerichtet auf die Baustelle der Zukunft überführt werden können.

Worum geht es bei den Beschaffungen für den Hauptsitz des CFLab in Görlitz – und was ist dein Part?

Johannes Stockbauer: Wir legen über eine strukturierte, nachvollziehbare Beschaffung den Grundstein dafür, dass wir am zukünftigen CFLab Hauptsitz in Görlitz – samt praxisnaher Umgebung – unsere Leitprojekte planmäßig umsetzen können.

Im Rahmen unserer Förderung verantworte ich die projektseitigen Beschaffungsprozesse. Dazu kommuniziere ich eng mit den Kolleginnen und Kollegen, die in ihren Projekten Ausschreibungen durchführen müssen. Zudem unterstütze ich vor allem bei Prozessfragen zur Bedarfsanalyse oder der Wahl eines passenden Vergabeverfahrens.

Warum ist Beschaffung beim CFLab zentralisiert?

Johannes Stockbauer: Das CFLab wird im Rahmen des Investitionsgesetzes Kohleregion (InvKG) durch die Bundesrepublik Deutschland und den Freistaat Sachsen gefördert. Und das bedeutet: Viele Beschaffungen müssen über offizielle Vergabe- und Ausschreibungsprozesse laufen. Dabei gilt es gleichzeitig zwei Themen sicherzustellen: eine durchgängige Nachvollziehbarkeit des Vergabeablaufs – und die Gewährleistung des vollen Funktionsumfangs, den unsere technischen Spezialisten für Forschungs- und Demonstrationszwecke brauchen.“

Kurz erklärt:

  • InvKG = Investitionsgesetz Kohleregion (gesetzlicher Förderrahmen):
    https://www.sab.sachsen.de/investitionsgesetz-kohleregionen
  • Vergabe-/Ausschreibungsprozesse = formale Beschaffungsverfahren, bei denen Anforderungen, Auswahl und Entscheidungsschritte nachvollziehbar dokumentiert werden müssen.

Über welche Arten von Beschaffungen reden wir hier?

Johannes Stockbauer: Es handelt sich um ein breit gefächertes Beschaffungsspektrum, das sowohl Dienstleistungen (z. B. Bauüberwachung) als auch technische Geräte wie Maschinensteuerungen umfasst. Darüber hinaus werden Maschinen wie Radlader, Raupenbagger und Raddumper sowie Ausstattungsgegenstände und infrastrukturelle Komponenten, wie etwa der Aufbau eines Funknetzes, beschafft. Das ist die Basis, damit neben dem Hauptgebäude auch eine praxisnahe Testbaustelle entstehen kann – die für Erprobung und Forschung im Baubereich elementar ist.

Wie läuft das konkret ab?

Johannes Stockbauer: Zu Beginn erarbeiten wir gemeinsam mit den Verantwortlichen des jeweiligen Leitprojekts eine strukturierte Bedarfsanalyse, um den konkreten Beschaffungsumfang festzulegen. Danach erfolgt die Marktrecherche, also das Gegenüberstellen von Vergleichsprodukten sowie das Einholen von Preisindikationen verschiedener Hersteller. Diese Richtpreise sind dann die Grundlage, um das passende Vergabeverfahren auszuwählen. Anschließend bereiten wir die benötigten Vergabeunterlagen auf und veröffentlichen sie.“

Kurz erklärt: Richtpreisangebote sind Preisindikationen, die helfen, den Rahmen einer Beschaffung einzuordnen (u. a. als Grundlage für die passende Verfahrenswahl).

Wo entstehen in der Praxis die größten Risiken und Engpässe?

Johannes Stockbauer: Sehr häufig an der Stelle, an der das Vergabeverfahren final festgelegt wird, da dies häufig direkten Einfluss auf einzuhaltende Vorgaben hat. Dies betrifft insbesondere die Nachweisführung von verwendeten Schwellenwerten, also den Preisgrenzen ab welchen national oder international ausgeschrieben werden muss. Um deren Einhaltung belegen zu können, müssen ausreichend belastbare Richtpreisangebote eingeholt und bewertet werden.“

Kurz erklärt: Schwellenwerte sind Preisgrenzen, die beeinflussen, ob z. B. national oder international ausgeschrieben werden muss (und welche Anforderungen dann gelten).

Warum ist das relevant / welcher Mehrwert entsteht?

Johannes Stockbauer: Über die Geräte, Anlagen, Maschinen und Infrastruktur schaffen wir somit die erforderlichen Voraussetzungen, damit Forschungsprojekte im CFLab überhaupt durchgeführt, Demonstratoren / Prototypen aufgebaut und stellenweise neue Forschungsfelder überhaupt erschlossen werden können. So wird auch der Transfer der zukunftsweisenden Forschungsergebnisse aus den Bereichen der Digitalisierung und Automatisierung schnell in die reale Baupraxis gewährleistet.

Was motiviert dich daran / wichtigste Learnings?

Es motiviert mich, Kolleginnen und Kollegen dabei zu unterstützen, ihre fachlichen Stärken fokussiert dort einbringen zu können, wo sie den größten Mehrwert erzeugen, ohne dabei unnötig viele Ressourcen von diesen durch die bürokratische Abwicklung zu binden.

Eines der wichtigsten Learnings ist, dass Prozessabläufe in komplexen oder breit aufgestellten Organisationen konsequent vom Ergebnis her gedacht werden müssen – in diesem Fall von der nachvollziehbaren und vergaberechtskonformen Dokumentation. Dieser Ansatz gibt allen Beteiligten klare Strukturen und erleichtert die Aufgabenplanung sowie die sinnvolle Einteilung der Zuständigkeiten. Zudem ermöglicht er, mit ungeplanten Ereignissen kontrolliert umzugehen, ohne dass dabei Chaos entsteht.

Wie geht es als Nächstes weiter?

Johannes Stockbauer: Wir haben aktuell mehrere laufende Ausschreibungen, die man auf der Plattform eVergabe öffentlich finden kann. Dazu am besten folgenden Link öffnen und als Suchbegriff Construction Future Lab eingeben:

https://www.evergabe.de/auftraege/auftrag-suchen

Das Jahr 2026 wird spannend, da wir mit der Fertigstellung und dem Bezug unseres Neubaus in Görlitz nun auch nochmal verstärkt in die Beschaffung gehen werden, so dass der CFLab Betrieb spätestens im nächsten Jahr produktiv aufgenommen werden kann.

Live-Einblick in den Bau­fortschritt

Verfolgen Sie in Echtzeit, wie das CFLab in Görlitz – unser Testareal und Erprobungsökosystem – auf einer Fläche von 80.000 m2 Gestalt annimmt. Die Livekamera bietet Ihnen einen direkten Blick auf die Baustelle und zeigt die Fortschritte unseres Projekts. Die Fertigstellung ist für 2026 geplant.